Zukunftstag: Was aus den Berufswünschen geworden ist

Drei junge Menschen, die einst von der Zürichsee-Zeitung begleitet wurden, erzählen, was sie heute machen

Schnuppern in der Welt der Erwachsenen: Kinder und Jugendliche am Zukunftstag am Kantonsspital Winterthur. Bild: Heinz Diener

Was ist aus dem Berufswunsch von damals geworden?

Anlässlich des nationalen Zukunftstags erhalten interessierte Schüler Einblick in die Vielfalt der Berufswelt. Die ZSZ begleitete in den letzten Jahren Schüler während dieses Tages. Dieses Jahr hat sie bei drei früher Porträtierten nachgefragt, was aus ihnen geworden ist.

Immer im November ist bei Tausenden von Betrieben Kinderbesuch angesagt: Schüler von der fünften bis zur siebten Klasse dürfen anlässlich des Zukunftstags eine erwachsene Bezugsperson für einen Tag in deren Berufsalltag begleiten, wenn sie das wollen. Der Tag soll Kinder, Eltern, Schulen und Firmen für eine offene Berufswahl sensibilisieren. Denn junge Menschen schränken sich nach Meinung der Veranstalter oft immer noch zu stark ein.

Der Zukunftstag zeige nämlich, dass genügend talentierte Nachwuchskräfte bereitstünden, wenn diese ihren Beruf ohne Rollen- und Prestigedruck wählen würden. Die Berufswahl soll nicht von Image und Verdienst geleitet sein. Von diesen beiden Kriterien hänge ein zufriedenstellendes Berufsleben gemäss Studien nämlich am wenigsten ab.

Weg von den Rollenbildern

Schüler sollen bewusst auch an geschlechteruntypische Berufe herangeführt werden. So sind die Spezialprogramme, die für Kinder gedacht sind, die keine Bezugsperson zur Arbeit begleiten können, nach diesem Gedanken organisiert. Für die Mädchen stehen am Zukunftstag unter anderem Technik-, Informatik- und Waldberufe auf dem Spezialprogramm. Bei den Jungs stehen Pflegeberufe im Fokus. Sie können den Tag allerdings auch in einem Coiffeursalon oder einer Tierarztpraxis verbringen.

In den vergangenen Jahren hat die ZSZ jeweils Kinder dabei begleitet, wie sie anlässlich des Zukunftstags einen Beruf kennen lernten. Nun haben wir bei dreien nachgefragt, ob der Berufswunsch, den sie damals hatten, in Erfüllung gegangen ist.

Tim Werder

Der beste Schreiner im Kanton

Arzt? – Nein, doch lieber Schreiner, entschied Nico Schwaller. Bild: Moritz Hager

Der beste Schreiner im Kanton

Einst wollte er Arzt werden, nun ist er Schreiner geworden. Eine gute Entscheidung, schnitt er doch dieses Jahr als bester Schreiner im ganzen Kanton Zürich ab.

Am Zukunftstag vor zehn Jahren sah Nico Schwaller seine berufliche Zukunft noch ganz anders. Damals schaute er seinem Vater im OP-Saal des Spitals Männedorf über die Schulter und war überzeugt, dass er eines Tages ebenfalls Arzt wird.

Sein Vater fragte ihn daraufhin: «Hast du nicht mal gesagt, dass du vielleicht doch etwas anderes machen willst?» Denn so ganz sicher schien sich sein Sohn eben doch nicht zu sein.

Ein Jahr später sah sich der Zolli­ker in einer Schreinerei um – und fand Gefallen am Rohstoff Holz. «Damals war ich noch sehr unentschlossen, was meine berufliche Zukunft angeht», gibt der heute 20-Jäh­rige zu. Nur eines war für ihn klar. Dass er etwas mit seinen Händen machen möchte.

Von der Schule hatte er vorerst ohnehin genug. So entschied Nico Schwaller sich nach einigen weiteren Ein­blicken in verschiedene Werkstätte für eine Lehre als Schreiner. Scheinbar kein schlechter Entscheid. Dieses Jahr schloss er seine Lehre bei der Schrei­nerei Giger in Zolli­kon ab – als bester Schreiner im Kanton. «Die Arbeit mit Holz gefiel mir von Anfang an», erklärt der junge­ Mann, der nun auch in seiner Freizeit von seinem beruf­lichen Wissen profitieren kann. Als Feuerwehrmann steht er seit rund einem Jahr regelmässig bei der Feuerwehr Zolli­kon im Einsatz.

Selbst gemachte Möbel

An seinem Beruf gefällt ihm nicht nur der tägliche Umgang mit dem vielseitig einsetzbaren Rohstoff Holz, sondern auch, dass daraus Geschaffenes am Ende des Tages sichtbar vor einem steht. «Ich bin abends jeweils­ sehr müde, aber glücklich. Denn ich kann sehen und anfassen, was ich geschaffen ­habe.» Vor allem das Feine und Fili­grane möge er an seiner Arbeit. Nicht selten trifft man den ambitionierten Hobby­fotografen deshalb auch am Wochen­ende in der Werkstatt an, wo er schon etliche Möbel für sich selber angefertigt hat. «Mein persönliches Highlight ist mein Bett, dass ich sozusagen im Boden versenkt habe.»

Auch wer den aufgestellten Jungspund nicht kennt, merkt, dass seine Arbeit ihm grossen Spass macht. Nun möchte der Zolli­ker als Schreiner arbeiten. «Und dann in Thailand die Ausbildung zum Tauchlehrer absolvieren.»

Valentin Kälin

In Südafrika über die Zukunft nachdenken

Gwendolyn Ammann mit tierischer Begleitung in Südafrika. Bild: zvg

In Südafrika über die Zukunft nachdenken

Aus ihrem Berufswunsch Kindergärtnerin wurde nichts. Darüber ist Gwendolyn Ammann nicht traurig – im Gegenteil. Sie hat ihre Berufung gefunden.

Einmal mit Kindern zu arbeiten, das war schon am Zukunftstag vor neun Jahren der Wunsch der 12-jährigen Gwendolyn Ammann. Damals wollte sie Kindergärtnerin werden, heute ist die mittlerweile 21-Jährige ausge­bildete Fachfrau Betreuung für Kinder.

«Ich möchte gar nicht mehr Kindergärtnerin werden», sagt die Hirzlerin, «die haben so strenge Vorgaben, was sie die Kinder alles lehren müssen.» Während ihrer Anstellung bei einem Hort in Wädenswil habe sie sich oft mit Kindergärtnern ausgetauscht und so einen Einblick in deren Arbeit bekommen. Sie möchte den Kindern lieber Fähigkeiten beibringen, die ihnen später im Leben einmal weiterhelfen, wie sie sagt.

In Wädenswil ist Gwendolyn Ammann mittlerweile aber nicht mehr anzutreffen: Im Sommer hat sie nach drei Jahren Lehre und weiteren zwei Jahren Arbeit gekündigt, um auf Reisen zu gehen.

Auszeit in Kapstadt

Seit sieben Wochen weilt die Hirzlerin nun für einen Sprachaufenthalt in Südafrika. Sie wolle die Auszeit auch nutzen, um über ihre berufliche Zukunft nachzudenken. Die 21-Jährige überlegt sich, Weiterbildungen zu machen, um irgendwann einmal einen Hort leiten zu können.

In Kapstadt wohnt Gwendolyn Ammann bei einer Gastfamilie ein wenig ausserhalb des Stadtzentrums. «Mir gefällt hier besonders die Kombination von Stadt, Meer und Bergen», sagt sie. Ausserdem seien die Menschen in Südafrika offen und unkompliziert. «Bei uns jungen Leuten in der Schweiz muss man immer trendig angezogen sein, das kümmert hier niemanden», sagt die Hirzlerin.

Vier Reiseziele in Afrika

Nach den drei Monaten in Kapstadt hilft Gwendolyn Ammann für eine Woche bei einer Freundin in Tansania mit, die sich dort bei einem Hilfsprojekt engagiert. «Anschliessend reisen wir zusammen für drei Wochen mit Auto und Dachzelt durch Namibia», berichtet sie. Zum Schluss wartet auf die beiden noch eine Woche Erholung in Sansibar. Im Januar kehrt Gwendolyn Ammann in die Schweiz zurück. Dann muss sie sich eine Stelle suchen. Eines weiss sie dabei ­sicher: «Ich will weiterhin mit Kindern arbeiten.»   

Tim Werder

Zum Pflegeberuf berufen

Dario Egli ist seiner Berufung als Pfleger gefolgt. Bild: Manuela Matt

Zum Pflegeberuf berufen

Der 16-jährige Dario Egli wusste bereits am Zukunftstag vor drei Jahren, dass seine persönliche Zukunft im Pflegebereich zu finden ist. Und er behielt recht.

Dario Egli hatte bereits im Alter von 13 Jahren ein klares Berufsziel. Schon vor seinem Besuch in der Pension Mürtschen am nationalen Zukunftstag 2013 schien er bereits zu wissen: «Ich werde Pfleger.»

Heute, drei Jahre später, ist der Eschenbacher 16 Jahre alt und schliesst im Sommer die Realschule ab. In der Zwischenzeit konnte er weitere Erfahrungen in der Berufswelt sammeln – vor allem in Spitälern, Altersheimen und Reha-Kliniken in der Region. Aber auch vom Alltag eines Zimmermanns hat er sich ein Bild gemacht. Danach war für ihn klar, dass seine Berufung im Gesundheitswesen liegt.

Am meisten mag der 16-Jährige dabei den Austausch mit den Menschen: «Die Arbeit und Kommunikation im Team mit unterschiedlichen Leuten jeden Alters schätze ich sehr.» Dass er in der Pflegebranche teils auch an Wochenenden oder in der Nacht arbeiten wird, macht ihm dabei nichts aus: «Das gehört eben dazu. Man muss in diesem Beruf flexibel und auch spontan sein können.» Abwechslung ist dem Jugendlichen ohnehin wichtig: «So bringt jeder Tag ­etwas Neues, und man weiss nie, was einen erwartet.»

Traumstelle in der Tasche

Dass die Arbeit als Pfleger neben unregelmässigen Arbeitszeiten auch psychische Belastung mit sich bringen kann, ist dem jungen Mann bewusst: «Ich wusste bei meinen Schnuppereinsätzen teils nicht, wie ich hätte reagieren sollen, wenn mir ältere Menschen von ihrem Leid berichteten.» Natürlich ­habe er sich danach Gedanken darüber gemacht, dass er in ­diesem Beruf mit Schicksalsschlägen, Traumata oder auch dem Tod in Berührung kom-men würde. Er habe jedoch ­gemerkt, dass er – zumindest bis anhin – gut damit umgehen könne.

Also hat er sich beworben und anscheinend sogleich Eindruck bei seiner Traumstelle hinterlassen: Das Spital Linth hat ihm per August 2018 eine Lehrstelle als Fachmann Gesundheit zugesichert. «Ich freue mich sehr darauf, bald endlich etwas machen zu können, das ich selber gewählt habe», sagt der Hobby-Fussball-Goalie mit seiner ruhigen, aber entschlossenen Art. Einer Art, die in der Pflege bestimmt alles andere als falsch aufgehoben ist.

Valentin Kälin

Schülerinnen und Schüler besuchen im Rahmen des Zukunftstages einen Hof mit Lamas und Alpakas in Seuzach. Bild: Madeleine Schoder

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